RAAB FORUM
Szentgotthárd, 18.02.2010
Hotel Lipa

Die Raab Verschmutzung aus österreicherischer Sicht



PROTOKOLL

über den wesentlichsten Inhalt
der Präsentationen, Fragen, Antworten
in gekürzter Form


Zusammengestellt von:
Pro Natura St.Gotthard (PRONAS)
nach Präsentationen und Tonaufnahme



1. Begrüßung, Vorstellung
Zoltán Woki, Pro Natura St.Gotthard (PRONAS)

Die Raab Verschmutzung aus österreicherischer Sicht. Es sind alle wichtige und zuständige Behörden, Industrievertreter hier, die dazu etwas sagen können.

Heute werden die österreicherischen Behörden, Industrievertreter präsentieren was wurde, was ist zur Zeit und was wird in Zukunft geplant im Interesse der Raab Rehabilitation.

Ich bedanke mich für die Vortragenden daß Sie gekommen sind und möchte unsere Vortragenden in der Reihenfolge der Präsentationen vorstellen.

Mit besonderer Hochachtung begrüße ich
-    Herrn Ferenc Kovács Präsident der Komitatsverwaltung Vas, Abgeordnete im ungarischen Landestag!
-    Herrn Zsolt Németh, Bürgermeister der Stadt Vasvár, Abgeordnete der Region Szentgotthárd im Ungarischen Landestag!
-    Herrn István Bebes, Bürgermeister der Stadt Körmend, Abgeordnete im ungarischen Landestag
-    Herrn Ferenc Márkus, Direktor des Nationalparks Õrség!

Zu dem Forum haben wir sowohl aus Ungarn als auch aus Österreich die zuständigen Fachleute des Wasserwesens, Politiker, Umweltschutzorganisationen, Bürgerinitiativen eingeladen.

Ich begrüße alle weitere Anwesende, die Vertreter der Medien aus Ungarn und aus Österreich und unseren Gastgeber das Hotel Lipa.

Ich glaube, mit so hochrangiger und zuständiger Besetzung war in diesem Themenkreis noch kein Forum, keine Konferenz weder in Ungarn, noch in Österreich. Und das gilt sowohl für die Vortragenden als auch für die Anwesenden

Ich übergebe das Wort Herrn Tibor Viniczay, dem Bürgermeister der Stadt Szentgotthárd, um den Forum zu eröffnen und nacher Herrn Ferenc Kovács, Präsident der Komitatsverwaltung Vas, Abgeordnete im ungarischen Landestag und Zsolt Németh ebenfalls Abgeordnete im ungarischen Landestag, mit einigen Gedanken die Teilnehmer des Forums zu begrüßen.

2. Eröffnungsrede
Tibor Viniczay, Bürgermeister der Stadt Szentgotthárd

Damals sagte mein Großvater, die Probleme entstehen, damit wir sie lösen. Die Grenzenlosigkeit der Probleme wird dadurch gekennzeichnet, dass ernste Umweltbelastungsprobleme in den vergangenen Jahren für Szentgotthárd und die Region typisch waren.

Nach den Anfangsschwierigkeiten können wir heute schon darüber reden, dass auch unsere österreichischen Freunde anerkannt haben, dass Probleme entstanden hatten und sie alles tun, um diese zu lösen. Ich danke Ihnen für diese verständnisvolle Hilfe und gebe meinen Hoffnungen Ausdruck, dass der Vorgang noch nicht zu Ende ist und wir die Probleme vollständig beseitigen können.

Ich würde dieses Projekt als Pilotprojekt, Musterprojekt denjenigen vorschlagen, die Zweifel daran haben, dass wir die Sorge der Reststoffverbrennungsanlage lösen können. Ich bin sicher dessen, dass alle Probleme, so auch das Problem der Reststoffverbrennungsanlage mit Zusammenhaltung und gegenseitigem Verständnis gelöst werden können.


3. Teilnehmer des Forums wird begrüßt von
Abgeordnetem Ferenc Kovács,
Vorsitzendem der Vollversammlung der Vertretungskörperschaft im Komitat Vas


Es gibt einen Fluss, die Raab, die uns verbindet, und es existiert ein Fluss, der uns Ungarn und unsere Nachbarn leider auch teilt. Ich denke, die auf uns Politikern lastende Verantwortung wird dadurch greifbar, dass auch drei Parlamentabgeordnete das Gefühl hatten, es ist wichtig, bei diesem Forum dabei zu sein.

Der Fluss Raab bedeutet nicht nur für uns ein schwieriges Problem, er ist ein schwieriges Problem auch für Steiermark und Burgenland, dieser Bereich, das Raabtal ist nämlich ein organischer Bestandteil des Natur-2000-Schutzgebiets. Hier muss die Bewahrung des ökologischen Gleichgewichts unsere gemeinsame Aufgabe darstellen, und deshalb macht es mir eine sehr große Freude, dass Leute in so ernsten verantwortlichen Positionen aus Österreich den Fachbereich vertreten, zu dessen Aufgaben die endgültige Lösung dieses Problems vor allem gehören wird.

Ich kann garantieren und versprechen, dass die Vollversammlung der Vertretungskörperschaft im Komitat Vas mit allen ihm verfügbaren Werkzeugen dabei helfen wird, dass dieser Problemkreis, den die Raab-Verschmutzung bedeutet, gelöst werden kann, und wir unterstützen in aller Offenheit jede Initiative, die zur Lösung dieses Problems strebt.

4. Teilnehmer des Forums wird begrüßt von
Bürgermeister der Stadt Vasvár Zsolt V. Németh,
Abgeordnetem der Stadt Szentgotthárd und Region

Die Umwelt- und Naturschützer haben ein Motto: „Denk global und handle global!“. Aber wir könnten auch ein neues Motto festlegen: „Denk in Perspektiven, aber handle jetzt!“.

Während meiner Vorbereitung für dieses Forum habe ich in den Parlamentsprotokollen geforscht: Wann ist es erstes Mal geschehen, dass ich im Parlament den Schaum in der Raab zur Sprache gehabt habe? Nun, es war im Jahre 2003. Haben der Schaum und der Geruch Maßeinheiten in der Europäischen Union? - habe ich damals die Frage gestellt. Und denken Sie nach, seitdem sind neun Jahre hingeflossen, also habe ich vor sieben Jahren meine Stimme erhoben, und um zwei Jahre früher haben schon Angler über dieses Problem berichtet. Das damals geborene Kind ist seitdem so groß (er zeigt es mit der Hand Red.) gewachsen. Es hat schreiben und lesen gelernt. Wie viel Zeit brauchen wir denn, - wenn das Problem gelöst wird bis sich der Fluss eigentlich regenerieren wird?

Auf jeden Fall hoffe ich darauf, dass auch diese Konferenz dazu beitragen kann, den bisherigen wirklich sich in die Länge gezogenen Prozess in den Bereichen, wo ein rascher und dringender Eingriff notwendig ist, im Interesse des allgemeinen Wohls zu verkürzen.

5. Vorwort, Einleitung zur Problematik
Katalin Kiss, Pro Natura St.Gotthard (PRONAS)

Die größere Raab-Verschmutzung und der damit verbundene ekelige Raab Schaum wurde in Szentgotthárd erst in 2001/2002 bemerkt.
Es waren mehrere Warnsignale, Meldungen, Reklamationen, Überprüfungen, Analysen, aber die Situation hat sich bis 2007 nicht viel geändert.

Ende 2006 / Anfang 2007 haben die verstärkten Proteste, Demonstrationen der Bevölkerung ein großes öffentliches Interesse sowohl in Ungarn als auch in Österreich hervorgerufen (Anlage 1).
Um das zu verstehen, möchte ich einige Bilder zeigen, wie sah die Raab öfters aus (
Anlage 2, Anlage 3).

Über die größten Schäumungen der letzten 3 Jahren haben wir eine Zusammenfassung gemacht. Man kann gut sehen, egal ob es Frühling, Sommer, Herbst oder Winter ist, zu jeder Jahreszeit waren extrem große Schaumbildungen (Anlage 4).

Den großen Umbruch hat das Jahr 2007 mitgebracht. Es wurde die österreicherisch-ungarische Task-Force gegründet, waren mehrere Greenpeace Aktivitäten, PRONAS hat von der Konfrontation auf die Kooperation gewechselt.

PRONAS hat den kürzesten Weg gewählt, die Kontakte mit allen wichtigen österreichischen Behörden und den Lederfabriken aufgenommen. Mit dem Lebensministerium in Wien, mit Boxmark, mit Wollsdorf Leder, mit Geothermie Fürstenfeld. Der lange Umweg über Ungarn wurde damit ausgeschaltet, die ungarischen Behörden wurden aber immer informiert (Anlage 5).

Wir haben versucht unsere Beobachtungen, Erfahrungen in Richtung Problemlösung, Vorschläge umzuwandeln. Wir haben - unter anderem - unsere Vorschläge in 21 Punkten zusammengestellt, Wasser- und Eisschollen Proben zur Verfügung gestellt, regelmäßig Fotos geschickt, Schaumtabellen über die Intensität angefertigt.

Es wurden in den letzten 2-3 Jahren viele Maßnahmen eingeleitet worüber heute die Vortragenden ausführlich berichten werden.
Die Situation ist schon besser und wir möchten uns dafür auf der österreicherischen Seite bei allen bedanken.

Zu dieser Entwicklung haben auf der ungarischen Seite ebenfalls viele beigetragen, um nur einige zu nennen und uns ebenfalls zu bedanken:
-    Der ehemalige Umweltminister Gábor Fodor
-    Ministerium für Umweltschutz und Wasserwesen (unter der Leitung von Herrn Staatssekretär László Kóthay)
-    Direktion Umweltschutz und Wasserwesen West-Transdanubien (unter der Leitung von Herrn Direktor István Nádor)
-    Grenzwasserkomission
-    Mitglieder der Task-Force Gruppe
-    Péter Olajos, ehemaliger Parlamentarier im Europaparlament
-    Béla Labritz, Stadtrat Szentgotthard
-    Greenpeace, Angler und viele Zivil Organisationen.

6. Koordination, Zusammenarbeit, Herausforderungen
SC Dipl.-Ing. Wilfried Schimon, Lebensministerium, Sektionschef Wasser

Ungarn und Österreich sind in politisch-gesellschaftlich-kultureller Hinsicht, aber auch in wasserwirtschaftlichen Belangen seit langer Zeit tiefgreifend vernetzt. Von der Raab-Regulierungsgesellschaft entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgegriffen wurde und in einen bilateralen Staatsvertrag mündete.

Diese Zusammenarbeit wurde im Wesentlichen von Organen auf staatlicher Ebene getragen. Die direkte Beteiligung der Bürger an der Arbeit der Verwaltung zu jener Zeit nicht üblich war.

Von der Angelegenheit der Schaumbildung, die uns auch heute zusammengeführt hat, nahm die offizielle bilaterale Wasserwirtschaft zuerst um das Jahr 2003 Kenntnis allerdings war die Priorität dieser Frage gering. Länger gediente Kollegen berichteten mir von einem Treffen der damaligen Ersten Bevollmächtigten der Österreichisch-Ungarischen Gewässerkommission in diesem Hause im Sommer 2004.

Worte wie Naphtalindisulfonat fanden Eingang in den Wortschatz auch chemisch nicht vorgebildeter Bürger. Leider umsonst, gerade diese Verbindung erwies sich bald als nicht für den Schaum verantwortlich. Mit einer Ende 2005 gestarteten Forschungsarbeit der TU Wien konnten die Sachverhalte im Detail beschrieben werden. In dieser Phase begann das Thema den Fachkreis zu verlassen und wurde als öffentliches Anliegen mit großer, immer mehr zunehmender Emotion behandelt.

So hat die Schaumbildung zu massiven Bürgerprotesten gegen Österreich bzw. die österreichische Wirtschaft geführt. Ein Zusammenhang zwischen dem Schaum und einer Überschreitung von zum damaligen Zeitpunkt gültigen Grenzwerten war nicht zu erkennen. Für die betroffenen Bürger war diese Erscheinung dennoch nicht hinnehmbar. Die Proteste dagegen intensivierten sich zunehmend und auch viele Stimmen in Österreich forderten eine Lösung der Angelegenheit.

Es wurde eine bilaterale Task Force ins Leben gerufen. Bezeichnender Weise wurde sie von den Kabinettschefs der Umweltminister der beiden Staaten geleitet. Über den Sommer wurde in höchst intensiven Besprechungen ein klares Aktionsprogramm festgelegt:
    Vertiefung des Monitorings erfolgt nun einerseits im Rahmen der routinemäßigen Überwachung der Wassergüte, weiters mit nunmehr zwei Online- Messstationen, zwei Güteaufnahmen entlang des Längsprofils der gesamten Raab, den sogenannten Raab Surveys und Publikation der Daten im Internet
    Verschärfung der rechtlichen Vorgaben in Österreich,
    Errichtung von Anlagen zur weitergehenden Abwasserreinigung bei den drei Standorten der Lederindustrie Feldbach, Wollsdorf und Jennersdorf.
    Einstellung der Salzemissionen in Fürstenfeld.
    Maßnahmen zur Ökologisierung der Raab.

Die aufgrund natürlicher Ursachen in Gewässern ablaufenden Vorgänge sind jedoch nicht beeinflussbar und werden weiterhin auftreten.

Der Aufwand der Betriebe und der öffentlichen Stellen Österreichs für die bereits abgeschlossenen oder laufenden Projekte und Untersuchungen beträgt:

9,5 Mio EUR werden für Projekte und Untersuchungen investiert werden

4,5 Mio EUR wurden bereits in bauliche Maßnahmen investiert

1,5 Mio EUR sind zudem auf Studien, Untersuchungen und Datengewinnung entfallen

3,5 Mio EUR werden noch mit dem Schwerpunkt baulicher Maßnahmen investiert.

Der Schaumindex ist in Winter 2009/2010 schon wesentlich besser als er in Winter 2006/2007 war (Anlage 6).

Es gab auch eine andere wichtige Entwicklung. Ich konnte einen persönlichen Kontakt mit PRONAS herstellen. Ein solcher Kontakt zwischen dem österreicherischen Ministerium und einer Umwelt-und Bürgerbewegung im Nachbarstaat war Premiere und ein wichtiger Schritt. Auf PRONAS Vorschlag haben wir Untersuchungen durchgeführt, wir informierten uns gegenseitig. Dadurch trat eine Entspannung ein, Vertrauen wurde aufgebaut.

Dabei ist es mir wichtig, nicht zu verschweigen, dass derzeit nicht alle Herausforderungen gemeistert sind. Nach Beschluss des Aktionsprogramms hat die schwere Wirtschaftskrise hat auch die österreichische Industrie getroffen. Der Wirtschaftseinbruch an einem Standort nämlich Jennersdorf die abwasserrelevante Produktion wesentlich vermindert hat. Eine Umsetzung der dritten Stufe an diesem Standort ist jedenfalls bei Wiederaufleben der Produktion vereinbart. Auch in dieser Frage sollte über die Staatsgrenzen hinweg ein gemeinsamer Weg zwischen den Bürgern und dem Betrieben gefunden werden.

Die am heutigen Tage stattfindende Veranstaltung sehe ich daher als wesentlichen Grundstein für eine zukünftig stabile Basis der Zusammenarbeit im Grenzraum. Diese Kooperation kann nur in gemeinsamen Schulterschluss der Bürger und Stakeholder erfolgreich sein. Voriges Jahr konnten wir den 10. Jahrestag feiern, dass der menschenverachtende Eiserne Vorhang gefallen ist. Es darf nicht sein, dass Schaum oder ähnliche Probleme wieder die Menschen trennen.

7. Monitoring, Schaumuntersuchungen
Dr. Oliver Gans, Umweltbundesamt, Abteilung Organische Analyse

Wir haben in Jänner 2008 gemeinsam mit PRONAS von Schaum und von gefrorenem Schaum (Eisschollen) an der Lafnitz Proben genommen, die wir untersucht haben.

Die Ergebnisse wurden PRONAS in Wien und danach bei der außerordentlichen Sitzung der österreichisch-ungearischen Gewässerkommission in Sopron am 20.Februar 2008 präsentiert.

Wir haben gemeinsam mit VITUKI (Ungarn) die Raab Survey 2008-Untersuchungen durchgeführt. Wir nahmen 28 Fluß-und 24 Abwasserstichproben in Juli 2008 entlang des gesamten Längsprofils (Anlage 7).

Die Ergebnisse zeigten, die Emissionen der drei Lederfabriken konnten durch Konzentrationserhöhungen des Flusswassers nachvollzogen werden. Die Abnahme der Konzentration auf der ungarischen Seite ist auf den Einfluss der Lafnitz zurückzuführen. Überschreitungen von Grenzwerten konnten jedoch nicht festgestellt werden.

Bei der Raab Survey 2009 wurden alle Probenahmen erfolgreich abgeschlossen. Hier werden auch biologische Untersuchungen (Makrozoobenthos, Phytobenthos, halak) durchgeführt. Zur Zeit erfolgt die Auswertung, der Abgleich und die Interpretation der Ergebnisse.

Natürliche Ursachen der Schaumbildung:
-    Zersetzung organischer Substanzen, Algen,
-    Saponine, Tannine,
-    Bodenauslaugung,
-    Biogene Entkalkung.

Wir konnten z.B. das Schaumtreiben durch Saponine von Kastanien (Anlage 8) und über Schaumbildung durch Tannine bei einem Holzlagerplatz (Anlage 9) fotografisch festhalten.

Antropogene Ursachen der Schaumbildung:
-    Wasch-und Reinigunsmittel,
-    Einleitung von Abwasser,
-    Kritisches Fluss-Abwasservelhältnis,
-    Abschwemmung von Wirtschaftsdünger.

Einflussfaktoren der Schaumbildung:
-    Jahreszeitenzyklus (Schneeschmelze, Pollen und Blütenstaub, Laubfall usw.),
-    Tageszeit (z.B. Algenwuchs),
-    Regenereignisse (z.B. Abschwemmung von Wirtschaftsdünger, Kastanienabrieb),
-    Kritische Fluss-Abwasserverhältnisse,
-    Betriebsstörungen, unsachgemäße Einleitungen.

Die Schaumbildung auf Fließgewässern ist meist ein multifaktorelles Ereignis.




8. Maßnahmen in der Steiermark
HR Dipl.-Ing. Johann Wiedner, Amt der Steiermärkischen Landesregierung
Leiter der Abteilung 19
Wasser- und Abfallwirtschaft

In dem Einzugsgebiet der Raab leben ca. 300.000 Menschen in Steiermark.

Es werden häufigere Kontrollen von Emissionen und Immissionen vorgenommen. Die Überprüfungsintervalle waren bis 2006 1-mal pro Jahr, in 2007 12-mal pro Jahr und seit 2008 24-mal pro Jahr. Die Anzahl der überprüften Parameter 18 (Boxmark) bzw. 17 (Wollsdorfleder). In der Steiermark umfasst der Bundesmessnetz 1 Messstelle und das Landesmessnetz 9 Messstellen. In der Anlage 10 ist deutlich erkennbar, dass die Werte des BSB5 im Jahr 2009 wesentlich besser als 2006 waren.

Im Interesse der noch besseren Abwasserreinigung haben sowohl die Lederfabrik Boxmark in Feldbach als auch die Lederfabrik in Wollsdorf große Investitionen durchgeführt.

Es wurde die Einleitung von salzhaltigen Wässern der Geothermie Fürstenfeld eingestellt. Die Ersatzmaßnahme war die Errichtung eines Biomasseheizwerkes. Kosten für Investition und Betriebskostenverslust: rd. 2 Mio EUR.

Im Rahmen des EU-Projektes „Openwehr“ wird die Wehranlage in Hohenbrugg umgebaut, wodurch die Fischpassierbarkeit gesichert wird. Kosten dieser Maßnahme in der Steiermark: 401.000,- EUR.

Im Rahmen des EU-Projektes „ProRaab(a)“ wird ein Hochwasserprognosemodell für den gesamten Flusslauf erstellt. Leadpartner ist Steiermark, Projektpartner sind Burgenland, West-und Nord-Transdanubien (Ungarn). Ein ähnliches Projekt wurde mit Slowenien an der Mur verwirklicht.

9. Maßnahmen in Burgenland
HR Dipl.-Ing. Gerhard Spatzierer, Amt der Burgenländischen Landesregierung
Leiter der Abteilung 9
Wasser- und Abfallwirtschaft

Wir kontrollieren strenger die Emissionen und die Immissionen von Lederfabrik Boxmark Werk Jennersdorf. Bis Mai 2007 waren zwei Überprüfungen pro Woche, ab Juni 2007 schon an allen Werktagen. Probenahme vor Ort erfolgt durch das Betriebspersonal der Kläranlage. Die Gewässeraufsicht macht unangekündigte Überprüfungen vor Ort, zusätzlich gibt es jährlich vier Überprüfungen durch ein unabhängiges Institut.

Die Ergebnisse der Online Messstation des BMLFUW in Neumarkt können auf der Homepage des BMLFUW angesehen werden.

Bei außergewöhnlichen Ereignissen (Schaum, erhöhte Belastungen, etc.) machen wir extra Untersuchungen.

Die Vorbereitungen für die Umsetzung der weitergehenden Reinigung bei der Lederfabrik Boxmark, Werk Jennersdorf, sind abgeschlossen. Investitionskosten rd. 1,8 Mio EUR. Wegen der Wirtschaftskrise ist die Produktion stark gedrosselt, deswegen wurde der Baubeginn verschoben. Im Falle einer wirtschaftlichen Verbesserung wird die Anlage gebaut.

Im Rahmen des grenzüberschreitenden EU-Projektes „Openwehr“ wird die Wehranlage in Neumarkt umgebaut, dadurch die Fischpassierbarkeit gesichert. Kosten der Burgenland-Maßnahme: 600.000,- EUR.

Die Wehranlage in Szentgotthard wird ebenfalls umgebaut (Anlage 11), diese Kosten betragen ca. 1 Mio EUR:

Wir nehmen auch teil beim Projekt Hochwasserprognosemodell „ProRaab(a)“ im Rahmen des EU-Projektes.

Wir setzen das Aktionsprogramm der Task Force um. Die Kontrolle der Umsetzung erfolgt durch die bilaterale ad hoc Arbeitsgruppe.

Wir erhalten mehrere Informationen von PRONAS, diese Informationen werden untersucht. Den Schaumindex von PRONAS haben wir mit der Auswertung der TU Wien verglichen, die Ergebnisse sind weitgehend identisch (Anlage 12).

Bemerkung der Red.
Die von PRONAS regelmäßig zugeschickte Schaumskale sehen Sie auf
Anlage 13.

10. Maßnahmen bei Boxmark Leather
Dipl.-Ing. Dieter Knoppek, Boxmark Leather GmbH & Co KG, Center Manager Ecology

Die Lederfabrik Schmidt Feldbach wurde in 1982 gegründet. Hier wurde in 1986 die erste vollbiologische Kläranlage in der Gerbereiindustrie gebaut.

Es gab mehrere falsche Medienberichte, z.B. Boxmark Feldbach hat keine Wasserrechtsbewilligung. Oder, der von uns stammende Naphtalindisulfonat ist verantwortlich für die Schaumbildung.
Es ist natürlich nicht so.

Naphtalindisulfonat verursacht keine Schäumung, aber ist in der Umwelt nicht erwünscht, daher haben wir bis Dezember 2007 um 90 % eliminiert. Die Chloridemission wurde um 40 % reduziert.

Es ist interessant, dass es Raabschaum bei Betriebsstillständen der Gerbereien gab und keinen Raabschaum bei Vollproduktion.

Die Greenpeace Analysen von Mai 2007 haben nur bei AOX (adsorbierbare halogenorganische Verbindungen) Grenzwertüberschreitung gezeigt, hier muss ich aber die Messunsicherheit erwähnen.

Es gab in Oktober 2007 eine gemeinsame Probenahme in Szentgotthárd. Nach den Ergebnissen sagen wir, die Schaumentwicklung wird unter anderem durch die Gerbereibetriebe verursacht, aber nicht nur durch diese Betriebe. Zum Gerben verwenden wir pflanzliche Gerbstoffe z.B. Kastanie die kann auch zur Schäumung beitragen. Die Verfärbung des Schaumes kann auch der hohe Feststoffanteil im Schaum verursachen.

Die tertiäre Reinigungsstufe in Feldbach haben wir in November 2009 in Betrieb genommen. Kosten der Investition ca. 2 Mio EUR. Laut Anlage 14 zeigt sich eine Verbesserung bei CSB Abbau, N Abbau, AOX und Oberflächenspannung.

Die Schaumskala November 2009 von PRONAS haben wir in Bezug auf die Oberflächenspannung mit der Durchflussmenge der Raab verglichen. Die notwendige Verdünnungsmenge zur Schäumung (0,96 m3+/sec) ist weit unter der jeweiligen Durchflussmenge der Raab (Anlage 15), also die Schaumbildung haben nicht wir verursacht.







11. Maßnahmen bei Wollsdorf Leder
Mag. Andreas Kindermann, Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH, Geschäftsführer

Standort Wollsdorf Leder wurde in 1975 gegründet.

Umsetzungen zum Raab-Thema bis Ende 2009:
Okt. 2008    Reduktion von Naphtalindisulfonat im Abwasser um 90 %
Apr. 2009    Einsatz einer Schwimmschlammräumung in der Biologie
Juni 2009    Installation einer Kalkmilchanlage bzw.
dosiereinrichtung
Sept. 2009    Neubau und Betrieb eines Selektors

Ergebnisse dadurch:
    Reduktion der Schaumbildung
    Reduktion von Schlammabrieb
    Stabile Nitrifikation und verbesserter CSB-Abbau
    Reduktion der Gesamtemissionen um ca. 45 % (CSB, BSB5, NH4-N, Cr-Ges.,....)

Festgelegte Umsetzungen bis Ende 2010:
    Bau und Betrieb einer Flotation nach den NKB
    Bau und Betrieb eines Aktivkohlefilters
    Projekt „Automatisierung BARA Teil 2“
Wir erwarten dadurch weitere 35 % Reduktion der Emissionen. In der
Anlage 16 sehen Sie Grenz- und Zielwerte ab 2010.

Die in 2009 durchgeführten und für 2010 geplanten Investitionskosten betragen 1,3 Mio EUR.

Wir haben mit PRONAS gute Kontakte.

12. Bemerkungen, Fragen und Antworten

Zoltán Woki
Auch PRONAS beobachtet Verbesserungen in der Wasserqualität der Raab, wie auch sich die Angler in der letzten Zeit positiv über die Fische geäußert haben.
Man muss aber auch sagen, dass die Situation noch nicht so rosig ist. Zwar nicht so häufig und nicht mit derselben Intensität wie vor 3-4 Jahren, aber es kommen immer noch größere Schaumbildungen in gewissen Zeitabständen vor. Es hat eine solche z.B. genau 1 Woche vor dem Forum gegeben.
Im Zeichen dieser Gedanken bitte ich Sie um Bemerkungen, Meinungen und Fragen.
    
Oskar Tiefenbach, Naturschutzbund Feldbach, Experte für Fischerei
Gestatten Sie mir, den Firmen und den heutigen Vortragenden für die Anwesenheit bzw. den Bereitstellern der finanziellen Quellen zu danken, dass diese Maßnahmen getroffen wurden. Ich bin auch ein bisschen skeptisch, weil es in letzter Zeit bei Niedrigwasser vorkommen konnte, dass die Durchflussmenge der Raab 1-1,5 m3/s betragen hat. Im Sommer ist die Raab eigentlich ein Bach, und in diesen Bach wird das Abwasser durch die Kläranlagen von drei Siedlungen und drei Lederfabriken hineingelassen. Außerdem gelangt noch eine riesige Menge von Natrium und Phosphor aus der Landwirtschaft - infolge der Düngemittel - ins Wasser.

Ich würde meine erste Frage an Herrn Schimon stellen: Was kann man tun, damit weniger Verschmutzung aus der Landwirtschaft in die Raab kommt, sei es mit der Verteilung von Preisen oder Belohnungen, bzw. damit es mehr Pufferzonen am Fluss gibt?

Meine zweite Frage wird an den Vertreter von Boxmark gerichtet: Es ist bekannt, dass die pflanzlichen Gerbstoffe Verbindungen beinhalten, die problematisch sind. Was für Erfahrungen haben Sie im Zusammenhang mit diesen problematischen Verbindungen erworben?

Wilfried Schimon
Wir sehen eine Verbesserung schon im jetzt laufenden Programm, die selbstreinigende Fähigkeit des Flusses wurde ja größer, die landwirtschaftlichen Gebiete werden weiter vom Fluss entfernt benutzt. Die Reduzierung der Hineinspülung durch die Erosion ist auch wichtig, es gibt Förderungen in dieser Richtung. Es ist eine schlechte Nachricht, dass sie nicht in ausreichendem Maße in Anspruch genommen werden, bzw. dass zu wenig Geld vorhanden ist, um die Ziele umzusetzen.

Dieter Knoppek
In der biologischen Kläranlage wird die Reinigung mit Hilfe von Mikroorganismen ausgeführt. Es gibt zahlreiche Mikroorganismen, die sich in den Kläranlagen der Gemeinden befinden, jedoch nicht in der Anlage der Lederfabrik. Grund: wir reinigen Wasser anderer Art. Prüfen wir die Kapazitäten der beiden Kläranlagen, so finden wir eigentlich keine großen Unterschiede. Höchstens gehen wir von einem größeren Wert aus, unsere Reinigungskapazität ist sehr gut, sie erfüllt die Regelungen. Bei der pflanzlichen Gerberei ist der Eiweißabbau tatsächlich problematisch. Durch chemische Prozesse können die Eiweiße aus dem Abwasser entfernt werden, und dadurch wird die Reinigungskapazität erhöht.
    
Zoltán Woki, PRONAS
Auf der Homepage des österreichischen Bundesministeriums für Umwelt kann man die Überschritte der Emissionsgrenzwerte der Lederfabrik ansehen. Aufgrund deren kann die Anzahl der Grenzwertüberschritte seitens der Lederfabrik Wollsdorf in den ersten sieben Monaten im Jahre 2009 als bedeutend beurteilt werden. Wie ist die Meinung der Zuständigen dazu und wann kann man mit einer Verbesserung rechnen?

Andreas Kindermann
Unsere eingeführten Maßnahmen hauptsächlich der Selektor haben vom September 2009 an verbessernde Auswirkungen, so wird es keine Überschritte der Grenzwerte mehr geben, wenn die neuesten Daten auf der Homepage erscheinen.

Bemerkung des Redakteurs:
Die Daten erscheinen mit einer ziemlich großen Phasenverschiebung auf der Homepage. Nach dem Forum haben wir die frischsten Ergebnisse angesehen, und in den Monaten November/Dezember 2009 hat es wirklich keine Grenzwertüberschritte mehr gegeben.
    
Sándor Csécs, Vorsitzender des Anglervereins Komitat Vas
Auch wir haben die Sorgen durch den Schaum beobachtet. Wir haben bis 2006 darauf gewartet, dass die beiden Länder dieses Problem gemeinsam doch lösen, aber es ist nicht gelungen. Wir haben eine Bewerbung um die Renaturierung der in die Raab fließenden kleinen Bäche bei der EU eingereicht. Wir konnten unmittelbar nichts gegen den Schaum tun, aber wir haben viel am ungarischen Abschnitt zuerst mit der Wiederbelebung der Bäche Gyöngyös, dann Pinka und schließlich Csörnöc-Herpenyõ gearbeitet, um den Zustand des Flusses zu verbessern.
Am Pinka-Bach haben wir aus der Förderung der EU einen seit 50 Jahren trockenen Altarm wiederbelebt. Wir haben Videoaufnahmen über den fantastischen Anblick des Laichens der Fische gemacht, ich möchte sie Ihnen zeigen.

Ebenso haben wir vier Wasserlebensräume am Csörnöc-Herpenyõ-Bach aus EU-Geld mit Wasserzufuhr durch einen dreistufigen Durchlass wiedererweckt, der eine gute Auswirkung auf den Fischbestand der Raab hat. Dadurch wurde die Raab eigentlich um 48 km verlängert. Der Zustand nach dem großen Hochwasser vom vorigen Jahr hat uns gezeigt, wie schnell sich die Natur revitalisieren kann. Auch davon möchte ich einen kurzen Film aufführen.

Wilfried Schimon
Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Tätigkeit, deren Wirkung nicht nur in den Nebengewässern, sondern auch im Hauptfluss außerordentlich positiv ist. Die solchen Initiativen können verdient Vorläufer der Revitalisierung der Raab sein.

Katalin Keresztessy, Hydrobiologin
Seit Langem beschäftige ich mich mit Forschungen in der Fischfaunistik. Ich bin an mehreren Universitäten (ELTE Budapest, Universität Gödöllõ) als Gastlehrerin tätig. Den Hauptbereich meiner Forschungen bilden der Schutz der Bestände der geschützten, gefährdeten und einheimischen Fischarten und die Prüfung der Änderungen in ihren Populationen dar.
2006 wurde ich durch das ungarische Umweltschutzministerium aufgefordert, so habe ich Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Schaum am Grenzabschnitt der Raab und an der Lafnitz gemacht. 2007 habe ich sie wiederholt. Beide Male habe ich an denselben Orten und mit denselben Methoden gearbeitet. Ich habe die hier erworbenen Daten mit den Daten meiner eigenen Forschungen für das Landesprogramm für Monitoring der Nationalen Biodiversität verglichen. Ich habe festgestellt, dass die sensitiveren geschützten Fischarten (Zingel, Streber), die das strömende Wasser bevorzugen, den Schwerpunkt ihrer Populationen vom Gebiet an der Grenze auf die weiter unten liegenden Abschnitte (z.B. Nick) verlegt haben. Gleichzeitig wurde der anspruchslose gemeine Döbel eine massenhaft vorkommende Art. Natürlich wäre es schwer zu sagen, dass es wegen des Schaums geschehen ist, man konnte ja die Fische nicht markieren, wir konnten nur die Änderung der Population prüfen. Auf der Höhe von Magyarlak ist es schon gelungen, den sich vermehrenden Bestand der Streber zu beobachten. Die geschützten Fischarten brauchen den Schutz, dessen wichtigen Teil der Schutz der Vermehrungsorte bildet.
Ich schlage vor, regelmäßige Messungen jeweils an demselben Ort mit denselben Methoden und in denselben Jahreszeiträumen durchzuführen, so können wir aus der Perspektive eines langen Zeitraums die Änderungen der Populationen eindeutig machen.
    
Katalin Kiss, PRONAS
Werden ähnliche Schaumbildungen auf anderen Flüssen und Gewässern Österreichs durch die österreichische Wasserbehörde beobachtet?
Welchem Grund schreibt das österreichische Wasserministerium zu, dass die Angelegenheit der Raab-Verschmutzung, des Raab-Schaums im Laufe der ersten 5-6 Jahre nur auf der Ebene der wiederholten Versprechungen geblieben ist, und dass die konkreten Maßnahmen und Fortschritte erst ab 2007 schneller wurden?

Wilfried Schimon
Die österreichischen und ungarischen Kollegen haben auch schon früher einen intensiven Dialog über die Schaumbildung geführt. Die Studien der Technischen Universität Wien haben zuerst die Richtungen gezeigt, von denen man ausgehen konnte.
Vom ganzen Gebiet Österreichs sind Informationen über Schaumbildungen angekommen. Seitdem ich mich mit der Raab beschäftige, sehe ich Schaum. Ich verbringe meinen Urlaub oft um Wien. Die Schaumkrone, die nach einem Steilhang und einer Kluft (sind als Wasserabfall, Stauwerk, Staustufe usw. zu verstehen Red.) zu beobachten ist, ist mangels sonstiger Faktoren auf Huminsäure zurückzuführen.

Dr. Oliver Gans
Schaumbildungen gibt es auch auf anderen Flüssen, aber nirgendwo ist ein so großes politisches Echo entstanden als bei der Raab.
    
József Kovács-Buna, Szentgotthárder Einwohner:
Aufgrund des hier Gehörten haben der österreichische Verein, die Länder und die beiden Lederfabriken riesige Beträge investiert. Haben Sie Erfahrungen, ob diese Investitionen Ertrag gebracht haben oder sie sich rentiert haben bzw. ist es den Lederfabriken und den sie unterstützenden staatlichen Organen gelungen, einen Preisvorteil für die so rein produzierenden Fabriken gegenüber den mit nicht reinen Technologien hergestellten Produkten zu erwirken?

Wilfried Schimon
Die offiziellen Quellen geben uns Geld, ohne irgendeinen konkreten Betrag als Vergütung zu erwarten, sie freuen sich auf den Erfolg, den sie in den gutnachbarlichen Beziehungen hinsichtlich des Umwelt- und Wasserschutzes erreichen können. Österreich erfordert Technologievorschriften im Bereich der Abwasserklärung, bei den Firmen gibt es keine Begünstigungen, mit Steuer- und Abgabenverminderung verbundene Folgen. Die Investitionen werden aus öffentlichem Geld gefördert, der Restanteil ist von den Betrieben selbst aufzutreiben.

Andreas Kindermann
Voriges und dieses Jahr haben wir 1,3 Millionen Euro investiert, unsere wichtigste Geschäftspolitik besteht in der Einhaltung der Grenzwerte und der gesetzlichen Vorschriften. Wir können die Ergebnisse, die besser als die Grenzwerte sind, im Marketingbereich nicht nutzbar machen, das heißt, unsere Partner in der Automobilindustrie wissen nicht, dass das hergestellte Lederprodukt durch eine umweltfreundliche oder nicht umweltfreundliche Firma produziert wird.

Dieter Knoppek
Es geht nicht nur um einmalige Beschaffungskosten, sondern es gibt jährlich wieder anfallende Kosten, zu denen der Staat nicht beiträgt.
    
József Kovács-Buna, Szentgotthárder Einwohner:
Wir hoffen, dass die Arbeit nicht gestoppt, sondern weitergeführt wird. Sehen Sie eine Möglichkeit, dass sich diese Tätigkeit die Raab entlang unabhängig von der Grenze verbreitet, und ist eine weitere Zusammenarbeit an den weiteren Raababschnitten zu erwarten?

Wilfried Schimon
Gemäß den Regelungen in der Europäischen Union sind die Flüsse im Ganzen zu behandeln. Die Ökologierung, die Befahrbarkeit hat einen Sinn, wenn sie bis zu einem Fluss von höherem Rang - in unserem Fall bis zur Donau verwirklicht werden. Also von der Quelle bis zur Mündung.
    
Ilona Lakosi, Umwelt- und Wasserschutzdirektion Westtransdanubien
Heute wurde schon mehrmals erwähnt, dass der Wendepunkt 2007 eingetreten ist, als die Umweltschutzminister der beiden Staaten das Aktionsprogramm Raab unterschrieben haben.
Der wichtigste Teil des Aktionsprogramms ist die Verstärkung der Klärung des Abwassers aus den Lederfabriken.
Mit Freude hören und bewerten wir, dass die Wollsdorfer Lederfabrik, die eigentlich im Aktionsprogramm Raab nicht angegeben war, voriges Jahr ernste Entwicklungen ausgeführt hat und dieses Jahr beendet sie schon die Investition, welche die Vorschriften erfüllt.
Im Aktionsprogramm wurde zwar nicht angegeben, aber die Österreich-Ungarische Gewässerkommission hat unter dem Einfluss der Wasserdirektion die Durchführung der Raab-Survey, die Ausgestaltung des Raab-Längsprofils mit guter Wasserqualität angeordnet. Herr Dr. Gans hat sie uns am Vormittag bekannt gemacht. Ich würde sie damit ergänzen, dass die Raab-Survey auch gezeigt hat, dass eine Schmutzbelastung von bedeutendem Maße auf dem österreichischen Raab-Abschnitt erfolgt.
Zusammenfassend können wir sagen, dass das Aktionsprogramm Raab planmäßig fortschreitet. Wir müssen jedoch auch erzählen, dass es nicht so einfach war, bis dahin zu kommen. Es hat auch viele erfolglose Verhandlungen gegeben. Auch im Weiteren setzen wir alles daran, dass das Aktionsprogramm Raab erfolgreich beendet wird und unsere Zielsetzung erfüllt, nach der die Wasserqualität auch beim Damm von Szentgotthárd entsprechend sein soll.

Wilfried Schimon
Ich selbst habe auch bei der Aktionsgruppe mitgewirkt. Ich habe nicht gewusst, dass Wollsdorf nicht darin steht, aber zu Hause sehe ich nach.

Bemerkung des Redakteurs
Im Punkt 3 des Aktionsprogramms steht Folgendes:
Um die Schaumbildung zu beseitigen, werden zusätzliche Reinigungsstufen werden in den Lederfabriken Feldbach, Jennersdorf und Wollsdorf eingeführt.“
Vermutlich treffen die Begutachtungen im Zusammenhang mit den unentbehrlichen Projekten bei Feldbach und Wollsdorf, die gegenwärtig mit der ungarischen Partei geprüft werden, unverzüglich ein."
Danach fordern die Behörden alle drei Fabriken auf, zusätzliche Projekte zur praktischen Verwendung der dritten Wasserreinigungsstufe vorzulegen.“
    
László Cziráki, Vorsitzender des Anglervereins Szentgotthárd
Ich habe die ersten Aufnahmen über die schäumende Raab gemacht, die wir auch an die damalige Umweltaufsichtsbehörde weitergeleitet haben. PRONAS hat die von uns begonnene Arbeit in der Angelegenheit des Raab-Schaums sehr erfolgreich fortgesetzt.
Während der Präsentationen war ein beträchtlicher Kommunikationsschnitzer seitens der Vertreter der Lederfabriken zu hören. Beide haben damit begonnen, dass sie nichts mit dem Raab-Schaum zu tun hätten, dann haben sie uns präsentiert, was für Investitionen sie in der Angelegenheit der Abwasserklärung gemacht hätten, zu denen ich ihnen übrigens gratuliere. Zur Schlussfolgerung haben sie jedoch gesagt, dass die Schaumbildung infolge der Investitionen erheblich abgenommen habe. Nach meiner Auslegung bedeutet es, dass sie tief in der Verursachung des Raab-Schaums waren.
Außer den Lederfabriken kommen noch unzählige Schmutzquellen vor, es gibt ja auch mehrere Fabriken am Fluss, bzw. auch gereinigte Abwässer der Einwohnerschaft werden in die Raab geführt.
Meine Frage dazu wäre Folgendes: Wird es bei Ihnen aufgrund der früheren Informationen nicht geprüft, eine wie große Abwasserbelastung ein Gewässer mit der gegebenen Durchflussmenge erträgt? Werden nur die Emissionen der einzelnen Verschmutzungsquellen und keine Gesamtbelastung geprüft? Ist eine Änderung dabei erfolgt, oder ist es wirklich so?

Wilfried Schimon
Nein, das ist nicht so. Wir prüfen die Gewässer kontinuierlich auf chemische bzw. biologische Kennwerte. In Österreich haben wir drei automatisch registrierende Messstationen. Die eine liegt an der Donau am Ort, wo die Donau Österreich verlässt, und die anderen zwei Messstationen befinden sich an der Raab. Die Untersuchungsergebnisse können im Internet online abgerufen werden.
Außerdem existiert eine Verordnung über die Qualitätsziele der Chemikalien, welche die Schadstoffe reguliert. Hier werden Grenzwerte der in den Gewässern befindlichen chemischen Schmutzstoffe angegeben. Also passiert die Emissionsmessung an Betrieben und verschiedenen Abwasserkläranlagen einerseits. Und die Beschränkung der schädlichen Schmutzstoffe in den Flüssen bzw. deren Untersuchung erfolgen andererseits.

Andreas Kindermann
Erlauben Sie mir, es damit zu ergänzen, dass nicht nur die jetzt laufenden Messungen durchgeführt werden, sondern wir müssen sowohl Immissions- als auch Emissionswerte in den offiziellen Genehmigungsverfahren kontrollieren und untersuchen lassen.


Bemerkung des Redakteurs
In diesem Sinne bedeutet
Emission: Werte der Schmutzstoffe in den Abwässern der Einzelemittierenden (z.B. Industrieobjekte, kommunale Kläranlagen…)
Immission: Werte der Schmutzstoffe im Fluss an den gegebenen Messstellen
    
Gabriella Wokiné Tatár, PRONAS
László Cziráki hat vor Kurzem eine Frage gestellt, die der Aufmerksamkeit der Antwortgeber entgangen ist.
Meine Frage wäre, wann die Raab endgültig rein sein wird.
Ich sehe keinen politischen Grund dafür, dass wir uns mit der Raab-Verschmutzung beschäftigen, sondern wir sind in der Nachbarschaft von drei Nationalparks, deshalb befassen wir uns kräftig mit diesem Problem. Ohnehin werden wir unter einem Umwelteinfluss stehen, wenn die Abfallverbrennungsanlage in unserer Umgebung aufgebaut wird.

Wilfried Schimon
Ihre Frage beantwortend, würde ich mich eigentlich auf den ganzen Tag beziehen.

Andreas Kindermann
Unsererseits wurde auch bisher alles getan, um die Belastung des Flusses zu reduzieren. Ich glaube, wir konnten in erforderlicher Weise hören, dass es auch sonstige Gründe für Schaumbildung gibt. Aber noch einmal: wir tun das Unsere, um sie zu vermindern.

Dieter Knoppek
Was die Boxmark anbelangt, sind wir unserer Verantwortung, die gegenüber der Raab besteht, in Feldbach nachgekommen. Auch Österreich wurde von der Wirtschaftskrise nicht verschont, sie hat auch uns getroffen, aber wir werden, falls die Situation besser wird und wir die Produktion fortsetzen können, das tertiäre Abwasserreinigungssystem auch an unserem anderen Standort (Jennersdorf) einführen.
Gestatten Sie mir, eine Behauptung zu korrigieren bzw. zu klären. Am Anfang meines Vortrags habe ich erwähnt, dass die Firma Boxmark vielmals so eingestellt wurde, als wäre sie die einzige und alleinige Verursacherin der Schaumbildung. Ich habe versucht, es in meinem Vortrag zu beleuchten. Selbstverständlich hat die Firma eine Verantwortung von gewissem Maße bezüglich der Schaumbildung, aber wir sind nicht der alleinige Verursacher. Deshalb haben wir ausgeführt bzw. werden wir an den beiden Standorten die Errichtung der tertiären Abwasserreinigungsanlage ausführen.
    
Zoltán Woki, PRONAS
Falls es keine eindeutige Antwort auf die Schwankungen in der Schaumbildung gibt, ist es in Ordnung. Kann jedoch das Monitoringsystem als gut genannt werden, das weder seitens der österreichischen noch seitens der ungarischen Wasserbehörden keine Erklärung für die auftretenden extrem intensiven Schaumbildungen geben kann? Zum Beispiel für die stoßartige Belastung, bei der wir an einem Tag fast nichts und am anderen Tag Schaum von Stufe 6-7 beobachten.

Wilfried Schimon
Heute haben wir vieles von den Segmenten der Verursachung gehört und es ist offensichtlich, dass die Schaumbildung reduziert wurde. Wie auch mein Kollege Dr. Gans gesagt hat, kann die Schaumbildung auf mehrere Gründe zurückgeführt werden. Wir müssen gestehen, dass wir nicht im Besitze des Parameters sind, von dem wir sagen können, dass dieser zur Schaumbildung führt. Heute wurde hauptsächlich über die das Abwasser betreffenden Verursacher gesprochen, aber es gibt auch natürliche Verursacher, diese Faktoren können nicht gemessen, jedoch mit Jahreszeiten, Perioden und Tageszeiten können sie vorhersagt werden. Wir kennen jedoch den Superparameter nicht, mit dessen Messung wir sagen könnten, dass er die Schaumbildung verursacht. Auch die Studie der österreichischen Fachbehörde gibt keine Antwort darauf, aber sie kann uns dabei helfen, näher zum Verstehen der Erscheinung zu kommen.
    
László Nemes, Vorsitzender des Raab-Verbands
Als Mitglied der österreichisch-ungarischen Aktionsgruppe Raab habe ich gearbeitet, damit der Aktionsplan Raab zustande kommt. Es ist geschehen, eine klare Anleitung gebend, wie die Verschmutzungen aus Österreich beseitigt werden müssen. Heute habe ich neugierig beachtet, wie die dort akzeptierten Maßnahmen fortschreiten. Die Raab muss ihren Zustand wiederhaben, über den sie auch ursprünglich verfügt hat, und dazu ist es notwendig, dass keine Schmutzstoffe in den Fluss gelassen werden.
Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn sich die Fließrichtung der Raab umdrehen würde und die Situation umgekehrt aussehen würde! Ich ersuche Sie, ein bisschen Selbstkritik zu üben, warum so viel Zeit bis zu den positiven Schritten vergehen musste, und wir sollen die Verantwortung auch dafür tragen, dass so wenig wie möglich Zeit bis zur endgültigen Lösung vergeht.
Wir können vielleicht auch die Frage der ein paar Meter weit von hier geplanten Abfallverbrennungsanlage zurechtstellen, wenn wir überdenken, was alles bezüglich der Raab passiert ist. Die Mitgliedschaft des Raab-Verbands mehr als dreißig Siedlungen kann diesen Ort nicht akzeptieren. Einer der Leiter des Österreichischen Klimaverbands hat in Gyõr gesagt, dass es ein solches Kraftwerk auch in Wien gebe, und es störe niemanden dort. Würde es dort aufgebaut, so würde es auch uns nicht stören. Verzeihen Sie mir bitte diese kurze Abweichung.

13. Bewertung des Forums, Schlusswort

Wilfried Schimon
Der heutige Tag hat uns die Gelegenheit geboten, eine Rechenschaft davon zu geben, was in den letzten drei Jahren geschehen ist, und zu beleuchten, was noch geschehen soll. Ich hoffe, dass uns der heutige Tag die Möglichkeit gegeben hat, vorzuweisen, dass zahlreiche Maßnahmen im Aktionsprogramm schon durchgeführt sind.

Auf das neunjährige Kind zurückkehrend, kann ich nur sagen, dass ich es vor drei Jahren adoptiert habe, und es hat in den vergangenen drei Jahren gehen, schreiben und lesen gelernt. Und wir werden irgendwie auch sein Universitätsstudium lösen.

Ich sehe den anderen Wert der Konferenz darin, dass die Fundamente der Kommunikation zustande gebracht wurden. Die Kommunikation unter den Verwaltungseinheiten, und auch die Kommunikation unter den Staatsbürgern und Firmen bzw. den Umweltorganisationen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Als Lehre des heutigen Tages nehme ich nach Hause mit, dass eine solche Veranstaltung sehr viele Informationsmängel beseitigen kann.

Ich möchte Sie bitten, die vielen Positiva, die wir zur endgültigen Lösung getan haben, Ihren Mitmenschen zu mitteilen, aber auch die eventuellen Mängel, die noch zu lösen sind.

In der Pause haben wir bei vielen Gesprächen betont, dass wir bei gegebener Gelegenheit zur Verfügung stehen, um ähnliche Veranstaltungen zu organisieren.

Gestatten Sie mir, für Ihr Interesse und die Diskussion zu danken. Auf Wiedersehen an einer Veranstaltung, an der wir weitere Ergebnisse und positive Wirkungen besprechen können.




Zoltán Woki
Aufgrund des Gesagten kann es auch festgestellt werden, dass das heutige Forum nützlich war, es hat sich gelohnt es zu veranstalten.

Denken wir daran, vor 3-4 Jahren sind serienmäßige Kundgebungen, Demonstrationen und Boykottaufrufe aufeinander gefolgt, es hat einen gegeben, der vorgeschlagen hat, dass der aus Österreich kommende Schaum auf Lastkraftwägen geladen und nach Österreich zurückgeliefert werden muss.

In letzter Zeit haben die Proteste aufgehört, weil immer mehr Leute in Ungarn wahrgenommen haben, dass Österreich das Problem ernst nimmt und konkrete Maßnahmen trifft.

In dem Fortschritt hat vielleicht auch das glückliche Zusammentreffen gewisser Leute und Organisationen eine kleine Rolle gespielt.

Zum Schluss möchte ich den Gedanken der Einführung des Aktionsprogramms Raab zitieren, das 2007 vom österreichischen und dem ungarischen Umweltminister unterzeichnet wurde:

„Österreich und Ungarn sind nicht zuletzt aufgrund ihrer langen gemeinsamen Geschichte sehr an gutnachbarschaftlichen Beziehungen interessiert.
Dementsprechend legen beide Staaten großen Wert darauf, aktuelle Probleme bilateral in einer konstruktiven und freundschaftlichen Form zu lösen. Diese gemeinsame Ansicht wird auch in der Vereinbarung zwischen den beiden Umweltministern ausgedrückt, die sich auf die Lösung offener Fragen betreffend Schaumbildung und Wasserqualität in der Raab/Rába in der Österreichisch-Ungarischen Grenzregien bezieht.“